Berufsspezifisches Interventions- und Sicherheitskonzept (BIUS)

© KK Kriminalprävention/Opferschutz, Polizeipräsidium Recklinghausen

Mehr Sicherheit in Bussen und Bahnen

Damit Mitarbeitende von Verkehrsunternehmen besser mit Konfliktsituationen im Arbeitsalltag umgehen können, wurde das Trainingsprogramm BIUS ins Leben gerufen. Die Schulungsinhalte bereiten Teilnehmende professionell auf den Ernstfall vor.

Ob Beleidigungen, Provokationen oder Körperverletzungen: Immer häufiger ereignen sich im NRW-Nahverkehr Gewaltvorfälle gegen Mitarbeitende. Hauptsächlich davon betroffen ist das Fahrpersonal, beispielsweise in Linienbussen, doch auch Kontrolleur*innen und Mitarbeitende im Kundendienst erleben Gewalt. Um in Konflikt- und Krisensituationen deeskalierend handeln zu können, wird das Personal im Rahmen von BIUS, dem „Berufsspezifischen Interventions- und Sicherheitskonzept“ der Polizei Recklinghausen und des Kompetenzcenters Sicherheit NRW, umfangreich geschult. Das Programm wurde von den beiden Partnern in Kooperation mit dem Kriminalkommissariat Prävention/Opferschutz Münster und dem zuständigen KHK Reinhard Zumdick entwickelt.

Das Programm im Überblick

Mitarbeitende, die das Trainingsprogramm BIUS durchlaufen haben, tragen langfristig zur Sicherheit im ÖPNV bei. Sie können alltägliche und außergewöhnliche Gefahrensituationen handhaben, beweisen sicheres Auftreten vor den Fahrgästen und schützen sich selbst. Zudem erwerben sie rechtliche Kompetenz. Das modular aufgebaute Ausbildungssystem vermittelt Inhalte didaktisch und vertieft diese in Livetrainings. Gegliedert wird das Programm in drei Ausbildungsstufen:

  • BIUS I: Grundlagenschulung
  • BIUS II: Verstetigung / Spezialisierung
  • BIUS III: Krisenmanagement

Das Programm lässt sich individuell auf viele Betriebe und Institutionen anpassen.
Sprechen Sie uns bei Fragen gerne an!

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Die Schulungsmodule

Gefahrendiagnose

In diesem Modul lernen die Teilnehmenden, Risikosituationen von alltagstypischen Situationen abzugrenzen und einzuschätzen. Auch das Erkennen verdeckter oder spontaner Verhaltensweisen des Gegenübers zählt zu den Schwerpunkten.

Früherkennung von Gefährdungssituationen

Erkennen – bewerten – Maßnahmen ergreifen: Teilnehmende werden darin geschult, Abläufe in kritischen Situationen zu generalisieren, um so die richtigen Handlungsschritte planen und einleiten zu können.

Verhaltensoptimierung und Mentalstrategie

Zur Selbstbehauptung gehört nicht nur die Körpersprache, sondern auch die geistige Einstellung. Deshalb bauen die Teilnehmenden mentale Stärke auf, etwa durch positive Selbstinstruktion und Teamwork.

Stresskompensation in Hochstresssituationen

Damit das Personal auch in Hochrisikosituationen möglichst sicher vor einem Blackout geschützt wird und dadurch handlungsfähig bleibt, werden Strategien zur Stressbewältigung vermittelt – zum Beispiel Atemübungen oder mentale Übungen.

Professionell und deeskalierend kommunizieren

Wie geht man mit gewaltbereiten oder psychisch auffälligen Personen um? In Kommunikationstrainings lernen die Teilnehmenden, welche Maßnahmen bei einer professionellen und deeskalierenden Kommunikation eingesetzt werden können.

Selbstschutz-, Fremdschutztechnik, Krisenmanagement; Juristische Aspekte

Würgeattacken, Übergriffe durch Stichwaffen, Verdacht von „Unbekannten Spreng- und Brandvorrichtungen“ (USBV): In jeder dieser Situationen ist schnelles Handeln gefragt. Entsprechende Verhaltensweisen werden in diesem Modul vermittelt. Außerdem gibt es Einblicke in die rechtlichen Seiten von Notwehr / Nothilfe und Hausfriedensbruch.

Hilfe leisten und organisieren; Notfallkommunikation

Wenn in einer Gefahrensituation die eigenen Ressourcen nicht mehr ausreichen, muss Hilfe angefragt werden. Welche Informationen an wen weitergegeben werden müssen und wie Helfer*innen aktiviert werden können, erfahren die Teilnehmenden in diesem Modul.

Rückblick auf bisherige Trainings

Fotos: © KK Kriminalprävention/Opferschutz, Polizeipräsidium Recklinghausen